Gedanken zum Feuer

 

 

 

 ”Wohltätig ist des Feuers Macht, wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht

... doch furchtbar wird die Himmelskraft, wenn sie der Fesseln sich entrafft”[1]

 

 

 

“Die Beherrschung des Feuers unterscheidet den Menschen vom Tier!” So begann einer meiner Ausbilder an der Feuerwehrschule seinen Unterricht über das Wesen des Feuers. Na ja, das wird es hoffentlich nicht alleine sein! Aber wenn man es etwas weni­ger sarkastisch ausdrückt, könnte man sagen: Durch die Nutzung des Feuers wurde der  Mensch dem Tier überlegen! Denn kein Tier kann Feuer machen oder kontrollieren.

 

Feuer und Zivilisation

Die Geschichte der Menschheit begann vor etwa 1,5 Millionen Jahren, als der noch recht unzivi­lisierte und unkultivierte ”Ur-Mensch” - der Homo erectus -  begann, das Feuer für seine Zwecke zu verwenden. So alt ist die bisher älteste Feuerstelle, die am Ufer des Turkana-Sees in Nordkenia gefunden wurde.

 

Das Feuer spendete ihm Licht und Wärme und ermöglichte es ihm, ”out of Africa” nach Europa auszuwandern. Es half ihm, im Dunkeln und im Winter aktiv zu sein. Und es ermöglichte ihm, die Wölfe oder sonstige Viecher zu verjagen, die nachts um sein Lager schli­chen. Ohne Feuer hätten sie ihn wahrscheinlich aufgefressen, bevor er sich ver­mehren konnte.

Ohne Feuer gäbe es uns heute gar nicht. Zumindest würden wir aber heute noch im tiefen Süden als ”Urmenschen” herumstreifen; kein Mensch wüsste von Stockholm, Paris und London! Wir bräuchten uns nicht um Kernkraftwerke, Fluglärm und Rentenbeiträge zu sorgen! Die Meisten von uns würden die ersten 3 Lebensjahre nicht überleben und der Rest, na ja!

Das Feuer verlängerte das Leben: Es half unserem Stammvater, Fleisch und andere Nahrungsmittel ”thermisch aufzubereiten”, d. h. verdauli­cher und bekömmlicher zu machen. Ohne Feuer wären die Menschen Rohköstler und Körnerfresser geblieben!

Es revolutionierte damals die soziale und ökologische Ordnung: Die Feuerstellen wurden zum Mittelpunkt des Gruppenlebens. Die Jäger konnten die Vegetation niederbrennen, um Beutetiere herauszutreiben.

Die Beherrschung des Feuers war der größte technologische Fortschritt der Menschheitsgeschichte.

Das Feuer hat das Leben des Menschen der Menschen von Grund auf verändert.

 

Die 2 Seiten des Feu­ers

Wie alles im Leben hat auch das Feuer nicht nur eine gute, sondern auch eine böse, zerstörerische Seite: Es ist ein Raubtier, das ständig eingesperrt und be­wacht werden muss! Wehe, wenn es ”losgelassen”, wie schon Schiller in seinem Lied von der Glocke schrieb!

Das alte Testament berichtet sehr anschaulich über eine große Feuersbrunst :

Nämlich über die Zerstörung von Sodom und Gomorrha. Feuer, das vom Himmel regnete; löste offen­sichtlich einen verheerenden ”Feuersturm” aus. Nicht nur Däniken glaubt, dass dies eine Art  außerirdisches Napalm oder eine Atombombe gewesen sein könnte.

Die Strahlungswärme, die von diesem Super-Feuer ausging war derartig stark, dass Lots Ehefrau - als sie sich neugierig um­schaute - schlagartig ”verkohlte”. In der Sprache des alten Testamentes „erstarrte sie zur Salz-Säule“.

 

Auch in der griechischen Sage spielt das Feuer eine entscheidende Rolle:

Das Feuer wurde von den Göttern zunächst den Men­schen vorenthalten. So ähnlich wie die heutigen Supermächte, die das atomare Feuer nicht in die Hände der unterentwickelten und ”unreifen” Nationen kommen lassen wollen. Der Titan Prometheus hat es dann gestohlen und auf die Erde gebracht. (Titanen waren eine Art Mischling zwischen einem der Götter und den barbarischen Menschen; Prometheus war der Sohn der Erdgöttin Themis.) Mit einem getrockneten Fenchelstiel als Fidibus holte er sich das Feuer vom flammenden Sonnenwagen. Dies ist wohl das früheste Beispiel für ”unfreundlichen Technologietransfer”!

Der Obergott Zeus war darüber so sauer, dass er den Verräter exemplarisch bestrafte:

Stehend (damit er nicht einschlafen konnte!) an einen Felsen im Kaukasus angekettet, musste er sich tagsüber von Geiern an der Leber her­umfres­sen lassen. - Erstaunlicherweise wuchs diese ihm nachts immer wieder nach! Für die alten Griechen war die Leber - nicht das Herz - der Sitz des Lebens.

Heute würde man sagen, dass diese Bestrafung dem Feuerdieb ”echt an die Leber” ging.

Zu seinem Glück kam irgendwann einmal der berühmte Herkules vorbei und befreite den Armen.

 

Unsere Zivilisation beruht letzten Endes darauf, das Feuer sinnvoll anzuwenden, d.h. durch Verbrennung Energie zu gewinnen. Ohne Feuer wäre die Dampf­maschine nicht erfunden worden. Ohne Feuer gäbe es aber auch keine Waffen - außer vielleicht Holzspeere und Steine.

Abgesehen von natürlichen Energien, wie Wind- und Wasserkraft, sind erst in der allerletzten Vergangenheit andere Methoden zur Energiegewinnung entwickelt worden. Die Radio­aktivität wurde erst vor knapp 100 Jahren von dem Franzosen Becquerel entdeckt! Wenn auch die Energiefreisetzung durch Kernspaltung und Kernverschmelzung nicht di­rekt auf Feuer im genannten Sinne beruht, so laufen auch diese Pro­zesse augenschein­lich unter Feuerer­scheinung ab. So erklärt sich auch der Ausspruch des Atomphysikers Oppenhei­mer im Angesicht der ersten Atombom­ben-Explosion 1945: ”Wir haben das Höl­lenfeuer freigesetzt!”

 

Feuer und Krieg

Die ”Kriegs-Kunst” wurde durch die gezielt eingesetzte Wirkung des Feuers immer effizienter - im Sinne der Zerstörung -. Vom Griechischen Feuer - eine Art Napalm der Antike - über das Brandschatzen der Wikinger, dem Einsatz von Flammenwer­fern im 1. Weltkrieg, bis zur Verwendung von Phosphor, Thermit und Napalm als höchste Form der Brand-”Stiftung”. Dazu kommt die Erfindung von Schießpulver, Nitroglycerin, TNT und Plastiksprengstoff. Stoffe, die man als konzentrierte und komprimierte ”Feuer” bezeichnen kann.

Vielen ist nicht bekannt, dass 1 kg Benzin oder Heizöl etwa 10 mal soviel Energie enthält wie 1 kg Spreng­stoff . Die Energie des Sprengstoffs wird je­doch ”explosionsartig”, d.h. in wenigen Milli­sekunden statt in Stunden freigesetzt.

Und da Leistung als Energie pro Zeitein­heit definiert ist, ist diese dann eine ”Ungeheuere”. Wenn z.B. der gleiche Energiebetrag 1000 mal schneller umgesetzt wird (d.h. in 1/1000 der Zeit) wird die Lei­stung 1000 mal so groß!

Die enorme Energie, die in 1 Liter Benzin steckt wird einem erst richtig bewusst, wenn man sich überlegt, dass man damit ein Auto von etwa 1000 Kilo Gewicht etwa 1 bis 2 Kilometer weit bewegt (und das bei einem Wirkungsgrad von vielleicht 10 %!). Mit 1 Liter Nitroglycerin würde es sich vielleicht 20 Meter weit bewegen; natürlich etwas schneller und es würde nachher nicht mehr so aussehen, wie vorher.

 

Kurios ist, dass Hiram Maxim, der durch die Erfindung des Maschinengewehres zum Multimillionär ge­wor­den war, fast sein ganzes Geld wie­der verlor, weil er einen Nitroglycerin-Mo­tor konstruieren wollte. Seine „erfolgreiche“ Erfindung war es, die im 1. Weltkrieg Millionen junger Männer im MG-„Feuer” im wahrsten Sinn “dahinmähte”!!

Perverserweise wurden in den gefürchteten deutschen Flammenwerfer-Regimenter des 1. Welt­krie­ges be­vorzugt Feuerwehrleute eingesetzt.

Ebenfalls makaber ist, dass sich der englische General ”Bomber-Harries” im 2. Weltkrieg von Feuerwehr-Offizieren beraten ließ, wie man die deutschen Städte mit möglichst wenig Aufwand, d.h. ”effizient” durch Feuer vernichtet: Zuerst er­folgte die ”Aufbereitung” des Brandgutes, d.h. der Häuser, durch Sprengbomben. Anschließend die Zündung durch Brandbom­ben mit dem Ziel eines ”Feuer-Sturms”. Von einem Feu­ersturm spricht man, wenn sich viele Einzelfeuer - z.B. brennende Häuser - zu einem Riesenfeuer, bei dem ganze Stadtteile wie in Hamburg, bzw. ganze Städte wie Hiroshima brennen, vereinigen. Feu­erstürme können nicht gelöscht werden; sie entwickeln einen derartigen ”Zug”, dass Menschen wie durch einen gigantischen Staubsauger durch die Luft in das Feuer gesaugt werden!

 

Eine weitere makabere Kuriosität aus dem Gruselkabinett der Feuerforscher ist die Erfindung des Napalms durch den genialen Pro­fessor Louis Fieser während des 2. Weltkrieges.

An der Harvard Univer­sity in USA er­wärmte er Benzin mit Natrium­palmitat (eine Seife) und erhielt eine Art ”Benzin-Schleim”. Später wurden verbesserte synthetische ”Verdickungsmittel” für Benzin entwickelt und Phosphor als Zünder zu­gesetzt.

 

Feuer als Symbol

Bei den Urvölkern wurde im Feuer eine geheimnisvolle Macht, d.h. die Erschei­nungsform eines übersinnlichen Wesens erblickt. Die Flamme war das Symbol der erhellenden Kraft, welche die Finsternis und ihre dunklen Mächte vertreibt. In ih­rem Auf­wärtslodern und ih­rer reinigen­den und auch vernichtenden Macht wurde sie zum göttlichen Symbol.

”Im Feuer zeigte sich eine magisch-religiöse Kraft, welche die Welt verwandeln konnte und infolgedessen nicht dieser Welt angehörte” (Zitat nach dem französischen Kulturhistoriker Eliade).

Im Iran verehrten die Anhänger von Zarathustra seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. das heilige Feuer, den Lichtgott Ormizd.

Feuergötter kannten auch die Babylonier (Gibil-Nuska), die alten Griechen und Römer (Vulkan, Vesta) und die Germanen (Freyer, Loki).

Die tief in uns steckende Vorstellung vom magischen Feuer - z.B. das Sonnwendfeuer - wurde durch die Menschheit nicht nur im guten, sondern oft im bösen Sinne ver­wendet. Hexenverbrennun­gen, Witwenverbrennungen oder Bücher­verbrennun­gen waren erschreckend Auswüchse dieser Vorstellung.

 

Feuersbrünste

In der gesetzlichen Definition ist festge­legt, dass ein ”Brand” ein Feuer ist, das seinen be­stimmungsgemäßen Herd verlassen hat und ”Schaden” anrichtet. Aus diesem Grund müsste die Feuerwehr eigentlich ”Brandwehr - wie in Holland - heißen!

Immer wieder haben verheerende Scha­denfeuer ganze Städte in Schutt und Asche gelegt. Städte wie Hamburg oder London sind im Mittelalter alle 20 bis 30 Jahre einmal abge­brannt. Und wurden danach schöner wieder aufgebaut!. Aus der heutigen Sicht kann man dies als eine alte Art der ”Stadtsanierung” bezeichnen.

Während die Feuers­brünste im Altertum und im Mittelalter ungewollt waren, wurden die Feuerstürme von Hamburg, Dresden, Hi­ro­shima im letzten Weltkrieg gezielt und bewusst gelegt!

 

Das Wesen des Feuers

Das eigentliche Wesen des Feuers ist ge­rade erst zwei Jahrhunderte bekannt. Bis dahin wurde das Feuer als etwas Mythi­sches gesehen, das mit der menschlichen Lebenswelt auf geheimnisvolle, spirituelle Weise verknüpft ist.

Wer von uns erinnert sich nicht an seine Pfadfinderzeit, wo er gebannt in die knisternden und flackern­den Flammen des La­gerfeuers starrte und über den Sinn seines 14-jährigen Le­bens nachdachte !

 

Von der ersten Verwendung des Feuers bis zu dem französischen ”Superchemiker” Lavoisier war es unendlich weit Als bildhaften Vergleich kann man sich vorstellen, dass sich 1,5 Millionen Jahre zu 200 Jahre wie 6 Kilometer zu 1 Schritt verhalten! Viel wurde geschrieben - manches stimmte aus der heutigen Sicht - manches nicht. Doch interessant ist es allemal! Doch Vorsicht mit unserer heutigen ”Überlegenheit des Wissens”. Vielleicht schmunzelt man in ein paar Hundert Jahren über uns!

 

Der griechische Philosoph Empedokles (etwa 450 v. Chr.), ein Schüler von Pythargoras - der uns allen durch sein berühmtes Dreieck in Erinne­rung ist - entwickelte die Theorie, dass die Welt aus den 4 Elementen Wasser, Feuer, Luft und Erde besteht.

 

Diese Theorie wurde auch von Ari­stote­les übernommen. Etwa 100 Jahre vorher hatte Heraklit von Ephesus die These aufge­stellt, Feuer sei das eigentliche Urelement, weil es so aktiv ist und alles umzuwan­deln vermag:

”Das Feuer ist so gut wie das Äquivalent von allen Sachen, denn es verwan­delt sich in sie und sie verwandeln sich in Feuer, ähnlich wie Waren in Gold und Gold in Waren.”

 

Die Theorie des Aristoteles war recht an­schaulich und behielt ihre Bedeutung über 2000 Jahre hindurch. Erst zu Beginn der Neuzeit wurde sie revidiert.

 

Um 1000 n. Chr. stellte der iranische Arzt und Philosoph Avicenna eine erweiterte Theo­rie des Aristoteles auf, in der das nicht so recht zu verstehende ”Verbergen” und ”Erscheinen” des Feuers erklärt wurde:

 

”Das Feuer ist im Innern der sich bewegenden Körper verborgen und wenn der Körper in Be­we­gung gesetzt wird, wird das Feuer sichtbar und erscheint. Reines Feuer hat weder Licht noch Farbe. An derjenigen Stelle der Lampen­flamme, an der das Feuer am stärksten ist, hat es weder Farbe noch Helle. Du glaubst, dass es dort keine Flamme gibt, dass sich das Feuer von dem Docht losge­ris­sen hat und würdest sa­gen, dass es dort Leere oder Luft gibt, aber in Wirklichkeit gibt es dort ein starkes Feuer”.

 

Hier wurde zum ersten mal festgestellt, dass die Stärke des Feuers nicht unbedingt mit der Leuchtkraft, d.h. dem Aussenden von Licht in Zusammenhang steht.

Damit steht auch die alte taktische Regel der Feuerwehr in Zusammenhang, zum Löschen nicht in die Flammen zu spritzen, sondern in die Glut.

Durch die (Wieder-)Entdeckung des Schießpulvers - aus Kalisalpeter, Holz­kohle und Schwefel - änderten sich die ganzen Kriegstaktiken; die aus unserer heutigen Sicht oft verherrlichte Kampf­technik der Ritter wurde sinnlos.

Philosophen und Chemiker - damals Alchimisten genannt - waren aufgerufen, sich über das Wesen des Feuers und der Verbrennung neue Gedanken zu machen. Die Erklärung des Phänomens der Explo­sion war für die mittelalterliche Chemie eine harte Nuss!

Dass der Vorgang der Schießpulver-Ex­plosion (statt ”Explosion” müsste man richtiger ”Verpuffung” sagen) mit dem Feuer zu tun hatte, war klar. Aber dieses Feuer unterschied sich von den ”normalen Flammen” dadurch, dass es offensichtlich keine Luft benötigte. Es brannte auch im geschlossenen Kanonenrohr oder in Bohrlöchern. Und - je mehr es einge­schlos­sen (verdämmt) wurde, um so ”stärker” wurde es. Dies führte zum Schluss, dass die ”Luft” - d.h. eine der vier einfa­chen Körper Erde, Wasser, Luft und Feuer - vom Kalisalpeter ge­liefert wurde.

 

Feuer und Wissenschaft

Die wissenschaftliche Untersuchung des Verbrennungsvorgangs begann mit dem polni­schen Alchimisten Michal Sedziwoj (um 1600), der feststellte, dass das Feuer erlischt, sobald die Luft erschöpft ist.

”... das wahre Leben des Feuers ist die Luft; ohne Luft geht das Feuer aus; die Luft unter­hält das Feuer.”

 

Ein weiterer ”Feuerforscher” war Francis Bacon (ebenfalls um 1600). Der englische Phi­losoph, Jurist und Staatsmann machte sich in seinem Werk ”Novum organum” schon recht ordentliche Gedanken über das Wesen des Feuers.

Bacon stellte durch Beobachtung grüner Pflanzen fest, dass sie sich unter bestimm­ten Bedingungen selbst entzünden kön­nen.

Seiner Meinung nach besaßen die grünen Pflanzen ver­borgene Wärme, die jedoch so gering ist, dass sie bei Berührung nicht fühlbar ist:

 

”Wenn die Pflan­zen jedoch derge­stalt zu­sammengedrängt und geschlossen werden, dass ihr Atem nicht in die Luft entweichen kann, son­dern sich gegenseitig erwärmt, entsteht wirk­lich fühlbare Wärme, und manchmal so­gar die Flamme.”

 

Damit war er der Entdecker des sog. ”Wärme-Staus” und der ”Selbstentzündung” - z.B. von feuchtem Heu! (In manchen Gegenden Deutsch­lands spricht man ironisch von ”Selbstentzündung”, wenn ein Bauer seine Scheune selbst angezündet hat.)

Er stellte eine Liste von brennbaren Substanzen nach der Flammenstärke auf. Nach seiner Meinung war die Alkohol­flamme am ”zartesten.”, was immer er damit meinte. Danach folgte eine Reihen­folge über getrocknetes Holz, Öl und Wachs. Von Schwefel und Petroleum meinte er, dass sie ”eine solch zähe Wärme abgeben, dass es nicht leicht ist, sie mit Wasser zu löschen.” Diese Beobachtungen stim­men heute noch!

 

Der deutsche Chemiker Georg Stahl (um 1700) begründete eine Theorie der Ver­bren­nung, die fast das ganze 18. Jahr­hundert anerkannt wurde, und deren Verfech­ter im hef­tigsten Streit mit Widersachern - u.a. Antoine Lavoisier, dem damals berühmtesten Chemiker der Welt -  gerieten.

Wenn man ein Stück Holz anzündet und wartet, bis alles verbrannt ist, bleibt viel weniger Asche zurück, als man ursprünglich Holz hatte. Das gleiche passiert bei Öl oder Kohle. Als Kinder im Zeitalter der Ofenfeuerung waren wir recht froh, dass wir viel weniger Asche ‘runter bringen mussten, als wir vorher an Kohle ‘raufholen mussten!

Doch dies ist ein Trugschluss! Weil nicht nur Asche, sondern auch sehr viel Wasserdampf und Rauch entsteht. Diese Verbrennungsgase konnte man aber damals noch nicht wiegen. Man dachte also -und das klang sehr einleuchtend- dass die Körper bei der Verbrennung leichter werden, dass sie etwas Geheimnisvolles dabei ”verlieren”.

Nach der Theorie von Herrn Stahl enthalten alle brennbaren Körper eine gemeinsame brennbare Substanz, die er ”Phlogiston” nannte. Beim Verbrennen verwan­delt sich Phlogiston in Wärme und Licht. Manche Substanzen wie Schwefel und Öl enthalten große Mengen von Phlogiston, während die unbrennbaren Körper kein Phlogiston mehr besitzen.

 

Nach unseren heutigen Erkenntnissen ist die Verbrennung - der Chemiker nennt dies Oxidation - eine Abgabe von Elektro­nen.
Bei einer Gleichsetzung von Phlogi­ston = Elektronen erscheint die Theorie des alten Stahls gar nicht mehr so konfus!

 

 

Lavoisier war so reich, dass er es sich lei­sten konnte, einen grammschweren Diamanten in einem verschlossenen Glas mit einem riesigen Brennglas zu ent­zün­den. Als einziges Verbrennungsprodukt konnte er CO2 nachweisen. Seitdem wissen wir, dass Diamanten nicht unzer­störbar sind, wie die Werbung behauptet, sondern eine Art ”durchsichtige Kohle” darstellen. Aber versu­chen Sie das mal Ihrer Frau zu er­klären !

Es ist eine Ironie des Schicksals, dass ein gewisser Doktor Marat im Jahre 1781 mit einer (pseudo-)wissenschaftlichen Arbeit mit dem Titel ”Über das Feuer” Mitglied der Französi­schen Akademie der Wissenschaft werden wollte. Lavoisier lehnte diese Arbeit als ”Machwerk” ab. Der abgewiesene Marat wurde Revolutionär und schaffte es als wortgewaltiger Anfüh­rer der Jakobiner, dass Lavoisier - dem er diese Abfuhr nie verziehen hatte - im Mai 1794 im wahrsten Sinne ”den Kopf verlor”.

Dies erinnert uns an eine andere fatale Abfuhr: Als der 19 - jährige Adolf Hitler zum zweitenmal durch die Aufnahmeprüfung der Wiener Kunstakademie sauste, beschloss er Politiker zu werden. Und er hat sich fürchterlich gerächt!

 

Als Henry Cavendish (um 1800) den Wasserstoff entdeckte, war er der überzeugt, er hätte das Phlogiston gefasst.

Cavendish, ein skuriler, menschenscheuer Exzentriker, war der reichste Mann des damaligen Englands. Sein ererbtes Vermögen ging nach heutigen Maßstäben in die Milliarden. Als fanatischer Privatgelehrter lebte er über 50 Jahre - unbeweibt - in seinem Labor nur für seine wissenschaftliche Arbeit!

Er war übrigens der erste Mensch, der mit Hilfe einer gewaltigen Knallgas-Explosion ”synthetisches” Wasser herstellte. Genau 8,7 Gramm! Wie er berichtet, aus ”einem Teil Feuerluft (Sauerstoff) und zwei Teilen brennbarer Luft (Wasserstoff)”

 

 

Ein anderer Engländer, Joseph Priestley (um 1750), glaubte ein Gas entdeckt zu haben, das kein Phlogiston mehr besitzt, als er der Luft den Sauerstoff entzog. In Wirklichkeit hatte er den Stickstoff ent­deckt. (Stickstoff, weil dies Gas Flammen er­stickt! Und dafür wird es auch heute z.B. bei Coputerbränden als ”sauberes” Löschmittel verwendet)

 

Der schwedische Apotheker Wilhelm Scheele (um 1750) fand bei seinen Ver­suchen zur Klärung des Verbrennungs­prozesses heraus, dass die Luft aus einem Teil be­steht, der die Verbrennung unterstützt (Sauerstoff) und einem Teil, der bei der Verbrennung nicht teilnimmt (Stickstoff und Edel­gase). Er nannte den Sauerstoff ”Feuerluft”.

Seine Bericht darüber, ”Chemische Ab­handlung von der Luft und dem Feuer”, wurde jedoch durch Schlamperei seines Verlegers erst nach 2 Jahren veröffent­licht. Dadurch wurde die Entdeckung der ”Feuerluft” durch seine Konkurrenten Priestley und Lavoisier beansprucht!

 

Auch der berühmte Philosoph und Freund Friedrichs des Großen, Voltaire (um 1700) machte sich seine, wenn auch philosophischen, Gedanken über das Feuer, die nach un­serer Erkenntnis schon recht fortschrittlich waren.

Er war der Meinung, dass die Kraft des Feuers umso größer sei, je höher die Temperatur ist. In seinem ”Essai sur la nature du feu” beschrieb er weitere Er­kenntnisse wie z.B.:

Der Wärmeeffekt auf der Oberfläche ei­nes Körpers ändert sich proportional zum Quadrat seiner Entfernung von der Wärmequelle.

Ein Körper, der eine längere Erwär­mungszeit erfordert, braucht auch eine längere Zeit zur Abkühlung.

Schwarze Körper erwärmen sich schneller und kühlen sich schneller ab als weiße.

 

Ohne Luft kein Feuer?

Der Pole Jozef Osinski erkannte bereits 1783, dass Sauerstoff anstelle von Luft eine er­hebliche Erhöhung der Verbren­nungsgeschwindigkeit bewirkt:

”... stelle ich in zwei gleiche Gefäße, von denen in einem sich gewöhnliche Luft und in ei­nem zweiten gesündere Luft (damit meinte er Sauerstoff) befindet, zwei angezündete gleich große Kerzen. Indem ich die Flammen beider Kerzen beobachte, sehe ich, dass die­je­nige, die sich in der gesünderen Luft befindet, eine leb­haftere Flamme gibt, als diejenige, die sich in der gewöhnlichen Luft befindet. ... Daraus schließe ich, dass solche Luft besser als die ge­wöhnliche Luft das Feuer unterhält.”

 

Der bereits genannte geniale Chemiker Antoine Lavoisier (der wie bereits erwähnt 1794 mit der Begrün­dung ”die Revolution braucht keine Chemiker” mit Hilfe der Guillotine einen Kopf kür­zer gemacht wurde) stieß dann mit zahlreichen Versuchen die Scheelsche Phlogi­ston-Theorie um. Er fand heraus, dass nur 1/5 der Luft mit dem brennbaren Material reagiert. Diesen Teil nannte er ”Oxygène”. Den Rest der Luft, der an der Verbren­nungsreaktion nicht mitwirkt, nannte er ”Azote”  Dies bedeu­tet im Grie­chischen ”leblos” und ist heute im­mer noch der französische Name des Ele­mentes Stickstoff. Er wies nach, dass die Atmung von Menschen und Tieren eine chemische Erscheinung, und zwar eine langsame Verbrennung ist. Und er stellte die auch heute noch gültige Definition ei­ner Verbrennung auf:

 

”Die Verbrennung ist ein chemischer Vorgang, bei dem sich ein brennbarer Stoff un­ter Wärmeentwick­lung und Feuererscheinung mit Sauerstoff ver­bin­det.”

 

Dieser Satz gilt wenigstens für den prakti­schen Teil, d.h. für die Energiegewinnung durch Verbrennung und für die Feuerwehr auch heute noch. Der Chemiker wird den Begriff der Verbrennung etwas allgemei­ner defi­nieren, nämlich als Sonderfall einer chemischen Umsetzung unter Energie­abgabe in Form von Wärme und Licht.

Letzten Endes ist die Verbrennung eine im thermodynamischen Sinne freiwillig ablau­fende chemische Reaktion, bei der Elek­tronen von einem Partner auf den anderen über­gehen.

Der Sonderfall dieser Definition ist mit dem auf der Erde am häufigsten vorkom­menden Oxidationsmittel, d.h. mit Sauer­stoff, gegeben.

Es ist jedoch auch bekannt, dass andere elektronen-anziehende Stoffe als Oxidati­onsmittel wirken können:

Fast jeder von uns hat noch den Versuch aus seiner allerersten Chemie-Stunde in Erinne­rung, als der Lehrer ein Gemisch aus Eisenpulver und Schwefel entzündete und sich un­ter Feuer und Gestank die neue Verbindung Eisen-Sulfid bildete. Hier war der Schwefel das Oxidationsmit­tel und das metallische Eisen wurde ohne Luft ”verbrannt”, d.h. oxidiert.

Die –Gott sei Dank- sehr seltene, wirklich ”feurige” Um­setzung von Chlor mit Eisen, der Chlor-Eisen-Brand führt zu sehr beeindruckenden Erlebnissen: Ab etwa 100 Grad verliert das Eisen, in das es „eingesperrt“ ist seine Wiederstandsfähigkeit und reagiert mit dem Chlor. Nachdem es sich sozusagen ein Loch durch die Wand seines Behälters gefressen hat, ”verabschiedet” sich das Chlor. Wie ein Raubtier, das die Gitterstäbe seines Käfigs fressen kann und dann davon läuft! Neben dem erwähnten Feuersturm sicher einer der Alpträume eines Feuerwehr­mannes.

 

 

Übrigens:

Dass man sich mit feuchten Tüchern vor der zerstörerischen Hitze eines Feuers schützen kann, ist ein uraltes Märchen und gehört ins Buch der verhängnisvollen Irrtümer.

Beim Planspiel meines 2. Staats-Examens (Mai 1980) hatte ich die Lage „Brennt Schiff im Kanal“ vorgegeben. Mein Vorschlag, die Besatzung mit übergestülpten nassen Decken durch die Flammen zu retten, wurde von den Prüfern akzeptiert. In Wirklichkeit wären die armen Kerle durch 100 Grad heißen Wasserdampf „gedünstet“ worden.

 

Bei Berichten über die großen Fliegerangriffe des 2. Weltkrieges (z. B. Dresden 1945) wird immer wieder über die Flucht durch die brennenden Straßen mit nassen Decken berichtet. Trockene Woll-Decken -möglichst dick- wären besser gewesen!

 

Machen Sie doch mal den Versuch, mit einem feuchten statt mit einem trockenen Topflappen Ihren Braten aus dem Backofen zu holen. Sie werden sehr schmerzhaft den Unterschied feststellen!

 

Literatur:         B. Ulicki, Brandschutz 2/1990

                        I. Asimov, Das Wissen unserer Welt

                        Der Chemieunterricht, 14. Jahrgang, Heft 4, 1983

                        E. F. Schwenk, Sternstunden der frühen Chemie

 

 



[1] Schiller, Lied von der Glocke

 

Kennen Sie vielleicht diesen Choral?

You don’t know what you got,
until it’s gone.

Cinderella

Störche und Geburten
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Haben Sie schon einmal über einen Imagefilm oder ein Animationsvideo nachgedacht?

 

Die Filmemacherin Anke Lanzon und ihre Firma Webfilm Berlin erstellen beeindruckende Unternehmensfilme für Webseiten.

 

Einfach mal `reinschauen:   

  http://www.webfilm-berlin.de/

Task Management
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Intelligenz und Fleiß
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Das gelungene, vollendete, erfüllte Leben ist eines, in dem wir in Einklang mit unsrer Natur das Beste aus unseren Möglichkeiten gemacht haben – selbstverständlich ohne den Mitmenschen zu schaden, ohne andere unglücklich zu machen.

 

Der Philosoph Bernulf Kanitscheider, Spektrum der Wissenschaft, Juli 2008

 

Des Menschen Tage sind wie Gras,
er blüht wie die Blume des Feldes.

Fährt der Wind darüber, ist sie dahin;
der Ort, wo sie stand, weiß von ihr nichts mehr.

 

Psalm 103

Es wäre doch möglich, dass einmal unsere Chemiker auf ein Mittel gerieten, unsere Luft plötzlich zu zersetzen, durch eine Art Ferment. So könnte die Welt untergehen.


Georg Christoph Lichtenberg

Letzte Worte des Indianerhäuptlings Crowfoot

Nur noch eine kurze Weile, dann bin ich von euch gegangen. Wohin, das kann ich euch nicht sagen. Wir kommen aus dem Nirgendwo, und wir gehen ins Nirgendwo. Was ist das Leben? Es ist der Lichtblitz eines Leuchtkäfers in der Nacht. Es ist der Atem eines Büffels im Winter. Es ist der kleine Schatten, der über das Gras huscht und sich im Sonnenuntergang verliert.

 

Crowfoot (um 1830 – 1890) Häuptling der Blackfoot-Indianer, 25. April 1890

 

Gespräch von Anno 33:

A: Wissen Sie schon das Neueste?

B: Nein, was ist passiert?

A: Die Welt ist erlöst!

B. Was Sie sagen!

A: Ja, der liebe Gott hat Menschengestalt angenommen und sich in Jerusalem hinrichten lassen: dadurch ist nun die Welt erlöst und der Teufel geprellt.

B: Ei, das ist ja ganz scharmant.

 

Arthur Schopenhauer