Die molekularbiologische Ethik des Tötens: DNA-Übereinstimmung als Hemmschwelle

 

 

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum es einem nichts ausmacht, eine Fliege totzuschlagen? Warum aber die meisten Menschen Hemmungen haben, ein Schwein zu schlachten?
Warum man mit Schimpansen als Versuchstiere Mitleid hat, mit Ratten weniger und mit Würmern überhaupt nicht?
Warum lässt man seinen alten und kranken Hund einschläfern, verweigert aber der unheilbar kranken Oma den gnädigen (Selbst-)Tod?

Darf man Orang-Utans im Zoo auf engsten Raum in „Einzelhaft“ einsperren, damit unsere Kinder sie anschauen können? Ist es moralisch richtig, zigtausende von männlichen Küken kurz nach der Geburt einfach zu schreddern, nur weil sie keine Eier legen werden?

Warum genießen wir ein Kalbs-Schnitzel, obwohl wir wissen, dass das Kälbchen sofort nach seiner Geburt von der Mutter getrennt und dann nach 6 Monaten als „Jugendlicher“ geschlachtet wird?

 

Ist es einem bewusst, dass man mit einer einzigen Penizillin-Tablette Milliarden von Mikroben tötet?

 

Lebewesen sind das alle. Von den Bakterien bis zum Schimpansen.

Gibt es ein abgestuftes "Recht auf Leben"? Mit der entsprechenden Hemmschwelle zum Töten?

 

Offensichtlich besteht folgender Zusammenhang:

 

Je weniger wir mit einem „Lebewesen“ gemeinsam haben, umso weniger Hemmungen haben wir, sein Leben zu beenden.

So ist es schon erstaunlich, dass der Mensch (außer in extremen Notzeiten oder als Götter-Opfer) Abscheu vor dem Verzehr seiner Artgenossen empfindet. Tiere fressen dagegen sogar einen Teil der eigenen Kinder um den Rest zu retten.

 

Man kann es sich natürlich auch einfach machen. Vor einigen Jahren traf ich auf der Hundewiese eine ältere Frau, die mir von Ihrem aus Griechenland eingeflogenen Straßenköter erzählte. „Jedes Tier hat ein Recht auf Leben“ sagte sie. Auf meine Bemerkung „auch Bandwürmer, Zecken und Flöhe?“ wurde sie böse!

 

 

Im Laufe der Evolution scheint sich beim Homo Sapiens eine Art „Beiß-Hemmung“ gegen verwandte DNA herausgebildet zu haben. Und das hat sich offenbar bewährt!

Am liebsten habe ich mich selbst. Dann kommt mein Zwillingsbruder, meine Kinder. Dann Geschwister, Eltern, Enkel. Offenbar bestimmt die Übereinstimmung der DNA die Tiefe der Beziehung.


Richard Dawkins hat in seinem Buch "Das egoistische Gen" das Gen (und damit die DNA) als die treibende Kraft aller unserer (unbewussten) Handlungen dargestellt.

 

Durch eine Störung der „Gehirn-Chemie“ wird diese Hemmung gelegentlich ausgeschaltet. So hat Abraham keine Bedenken, auf Befehl Gottes seinen eigenen Sohn zu töten. In Glaubenskriegen wurden Andersgläubige zu „Ungeziefer“ erklärt und dadurch DNA-mäßig auf diese entfernte Verwandtschaft „herabgestuft“. Mit der entsprechenden Herabsetzung der Tötungs-Schwelle.

 

Aus weltanschaulichen Gründen kann es aber auch zu einer virtuellen „Heraufstufung“ der tierischen DNA und damit zur Anhebung der Tötungs-Schwelle kommen (Heilige Kühe der Hindus, Vegetarismus…)

 

 

Vor Darwin war alles einfach.
In der Bibel stand: Der Mensch ist das Ebenbild Gottes und die Tiere sind ihm untertan.
Seit Darwin und Wallace weiß man, dass der Mensch nur die „Krone der Schöpfung“, die Spitze der Tier-Pyramide ist. Wir -wie letztendlich alle Tiere- haben uns  aus der Cyano-Bakterie (der Blaualge) durch Mutation und Selektion entwickelt. Das alles hat etwa 3 ½ Milliarden Jahre gedauert. Wobei es den Homo Sapiens es erst seit roundabout 200.000 Jahren gibt. Das sind erbärmliche 0,006 % der Evolution! Nicht mal 0,1 Promille!

 

Das heißt aber nichts anderes als dass alle Tiere unsere Brüder sind. Und zwar von der Bakterie bis zum Schimpansen. Mehr oder weniger mit uns -über gemeinsame Vorfahren- verwandt.

 

Noch vor 100 Jahren definierten die Biologen den Grad dieser Verwandtschaft über Körperbau, Körperfunktion und Struktur. Seit der Entdeckung der „Helix des Lebens“, der DNA  weiß man, dass in diesem Molekül der eigentliche Bauplan des Lebens verzeichnet ist.

 

Hier setzt meine DNA-Ethik an:

 

Je größer die Übereinstimmung meiner DNA mit der eines anderen Lebewesens ist, desto "näher" steht es mir.
Umso gewichtiger muss der Grund sein, ihm ein Leid anzutun, im schlimmsten Fall dessen Leben zu beenden.

 

 

Beispiele für die DNA-Übereinstimmung (nach Wikipedia):

 

 

Übereinstimmung in %

Fruchtfliege

60

Fadenwurm

75

Schwein

90

Bonobo-Schimpanse

95

andere Mitmenschen

99,9

Bruder oder Schwester

99,999

 

 

Eine kurze Wiederholung: (Als ich vor einigen Jahren meine Stieftochter Sophia kurz nach ihrem Abitur  nach einem wichtigen geschichtlichen Datum fragte, antworte sie „Das weiß ich doch nicht mehr, das haben wir in der achten gehabt!“

 

Also (auch wenn wir das schon in der 8. gehabt haben) hier noch mal ein kurzer Ausflug zur DNA:

 

Bei der DANN handelt es sich um eine „Doppel-Kette“ aus etwa 3,3 Milliarden Doppel-Bausteinen (Basenpaare).
Es gibt nur 4 verschiedene Bausteine: G, C, A und T. Diese sind nach einer ganz bestimmten, einzigartigen Reihenfolge wie Perlen auf einer Schnur aufgereiht. Also etwa: GGCTAACTTACC usw. Wie bei den Knoten-Schnüren der Inkas ist diese Reihenfolge der Code der Zelle. Sozusagen der Code des Lebens.
Jedem Baustein liegt ein ganz bestimmter „Gegen-Baustein“ gegenüber. Ich habe mir als Eselsbrücke „Aus-Tausch“-Motor und „Gas-Chromatografie“ gemerkt. D.h. Dem A liegt das T gegenüber. Und dem G das C.

 

Diese (Doppel-)Kette ist etwa 2 Meter lang und in sich „verdreht“. Etwa wie eine verdrillte Strickleiter. Die Bausteine (man nennt sie auch Basen) wären bei diesem Beispiel die Sprossen der Strickleiter.
Bei der Reproduktion trennen sich die „Holme“ der Strickleiter mit jeweils 1 der Basepaare. Danach wird ein neuer „Holm“ mit den entsprechenden Basen „angedockt“. Und fertig ist die völlig identische 2. DNA-Helix!
Das ist das Geheimnis des Lebens.

 

 

In jeder Körperzelle (Z. B. in einer Samenzelle, in einer Hautzelle oder in einer Haarzelle) liegt so eine DNA Datei (übrigens mit einer Datenmenge von jeweils etwa 1,65 GB). In dieser ist die gesamte Erbinformation gespeichert.

In den letzten Jahren haben die Wissenschafter mit einem riesigen Aufwand (Genom-Projekt) die Reihenfolge der 4 Bausteine entziffern können. Das DNA-Molekül ist praktisch ein Buch mit etwas mehr als 3 Milliarden Buchstaben; ohne Zwischenräume und Absätze aneinander gereiht.

 

Zum Vergleich: Die gesamte Bibel (vom 1. Mose bis zur Offenbarung) enthält etwa 4,4 Millionen Buchstaben.
D.h. 1 DNA-Molekül entspricht fast 1.000 Bibeln. Und das ohne Wort-Zwischenräume, Kapitel-Überschriften, Absätze, Punkte und Satzzeichen. Eine Wahnsinns-Arbeit!

Und wenn man die Buchstaben entziffert hat, steht man etwa so da, als wenn man bei einem russischen Buch die kyrillischen Buchstaben in lateinische Buchstaben transformiert hat: Wenn man kein Russisch kann, versteht man den Sinn immer noch nicht.

Die DNA ist eine Art Kochbuch mit zig Tausenden von Rezepten. Jedes Rezept bezeichnet man als „Gen“. Das ist sozusagen ein Kochrezept für ein ganz bestimmtes Protein. Und es gibt „wichtige“ und „unwichtige“ Rezepte. Wie z.B. die Haarfarbe oder die Blutgerinnung. Das Problem dabei ist, dass es keine Überschriften und Zwischenräume zwischen den Rezepten gibt. Man kann also ein GEN nicht direkt lokalisieren. Doch dies ist eine andere Geschichte

 

 

Das ganze Leben dieses Planeten hat sich (nach dem Prinzip „survival of the fittest“) aus der Blaualge entwickelt. In jeder Stufe hat sich (zufällig) die Reihenfolge einiger der 4 Bausteine geändert. Man nennt das Mutation. Wenn dann das neue „Wesen“ besser in die Umwelt gepasst hat („fit“ heißt „passen“!)als ein nichtverändertes, hatte es einen kleinen Vorteil. Und hat dementsprechend mehr Nachkommen bekommen. So sind wir Menschen letztendlich entstanden: Aus der Blaualge über die Würmer, die Fische, Kriechtiere, „Affen“ zum Homo Sapiens.

Evolution ist nicht „Überleben der Stärksten“. Der Ausdruck "Überleben der gerade genug Angepassten" wäre treffender. 

Wenn eine Zebra-Herde vor dem Löwen flieht, muss man nicht das schnellste Zebra sein. Man darf nur nicht das letzte sein. Denn das wird vom Löwen gefressen!

 

 

 

Kennen Sie vielleicht diesen Choral?

You don’t know what you got,
until it’s gone.

Cinderella

Störche und Geburten
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Haben Sie schon einmal über einen Imagefilm oder ein Animationsvideo nachgedacht?

 

Die Filmemacherin Anke Lanzon und ihre Firma Webfilm Berlin erstellen beeindruckende Unternehmensfilme für Webseiten.

 

Einfach mal `reinschauen:   

  http://www.webfilm-berlin.de/

Task Management
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Intelligenz und Fleiß
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Das gelungene, vollendete, erfüllte Leben ist eines, in dem wir in Einklang mit unsrer Natur das Beste aus unseren Möglichkeiten gemacht haben – selbstverständlich ohne den Mitmenschen zu schaden, ohne andere unglücklich zu machen.

 

Der Philosoph Bernulf Kanitscheider, Spektrum der Wissenschaft, Juli 2008

 

Des Menschen Tage sind wie Gras,
er blüht wie die Blume des Feldes.

Fährt der Wind darüber, ist sie dahin;
der Ort, wo sie stand, weiß von ihr nichts mehr.

 

Psalm 103

Es wäre doch möglich, dass einmal unsere Chemiker auf ein Mittel gerieten, unsere Luft plötzlich zu zersetzen, durch eine Art Ferment. So könnte die Welt untergehen.


Georg Christoph Lichtenberg

Letzte Worte des Indianerhäuptlings Crowfoot

Nur noch eine kurze Weile, dann bin ich von euch gegangen. Wohin, das kann ich euch nicht sagen. Wir kommen aus dem Nirgendwo, und wir gehen ins Nirgendwo. Was ist das Leben? Es ist der Lichtblitz eines Leuchtkäfers in der Nacht. Es ist der Atem eines Büffels im Winter. Es ist der kleine Schatten, der über das Gras huscht und sich im Sonnenuntergang verliert.

 

Crowfoot (um 1830 – 1890) Häuptling der Blackfoot-Indianer, 25. April 1890

 

Gespräch von Anno 33:

A: Wissen Sie schon das Neueste?

B: Nein, was ist passiert?

A: Die Welt ist erlöst!

B. Was Sie sagen!

A: Ja, der liebe Gott hat Menschengestalt angenommen und sich in Jerusalem hinrichten lassen: dadurch ist nun die Welt erlöst und der Teufel geprellt.

B: Ei, das ist ja ganz scharmant.

 

Arthur Schopenhauer

 

 

Damit wir beginnen können, dem Tod seinen größten Vorteil uns gegenüber zu entreißen, sollten wir eine vollkommen andere Einstellung einnehmen als die übliche; lasst uns den Tod seiner Fremdheit berauben; lasst uns Umgang mit ihm pflegen, damit wir uns an ihn gewöhnen, lasst uns ständig an ihn denken.

 

Michel de Montaigne