Das Märchen vom Bittermandel-Geruch

 

 

 

 

Blausäure und ihre Salze, die Zyanide, werden oft in Krimis als heimtückische Gifte verwendet.

 

 

Meistens beugt sich der Detektiv oder der Amtsarzt über die Leiche und konstatiert: „Typischer Bittermandel-Geruch; ich vermute Vergiftung mit Blausäure!“

 

Auch bei der Obduktion der halbverbrannten Leiche Adolf Hitlers bemerkten die russischen Mediziner den „Bittermandel-Geruch“ und vermuteten Selbsttötung durch Blausäure.

 

 

Dieser Geruch ist ein Märchen.

 

 

Auch ich wäre während meiner Doktorarbeit fast ein Opfer der Blausäure geworden: Eine Apparatur, in der ich mit HCN arbeitet, war offenbar undicht geworden. Ich bemerkte aber den Austritt des Gases nicht (HCN siedet bei 26 Grad), sondern wartete auf den Bittermandel-Geruch als Alarmzeichen. Nur durch das beherzte Eingreifen meiner Laborkollegen sprang ich dem Sensenmann noch einmal von der Schippe.

 

In einem uralten Chemiebuch hatte ich gelesen, dass man durch das gleichzeitige Rauchen einer Zigarre die Blausäure „besser“ riechen kann. Als ich das beim Weiterarbeiten probierte, wurde mir aber vom Rauchen schlecht! Ich habe dann aber lieber das Arbeiten mit Blausäure beendet und einen anderen -ungefährlicheren-Syntheseweg eingeschlagen.

 

 

 

Auch während meiner Tätigkeit als Feuerwehr-Offizier in einem großen Petrochemischen Werk hatte ich mit Blausäure zu tun: Bei der Synthese von Acrylnitril aus Propylen und Ammoniak entstand als Nebenprodukt Blausäure. Die wurde dann zunächst in großen Tanks gelagert und in 20 t-Eisenbahn-Kesselwagen zur damaligen DEGUSSA nach Wessling transportiert . Dort wurde sie hauptsächlich zu Cyaniden für die Goldgewinnung verarbeitet. Bei einer Havarie auf der etwa 30 km langen Bahnstrecke sollte die Feuerwehr die auslaufende Blausäure mit einer Signalpistole in Brand schießen. (Mit schöner blauer Flamme verbrennt Blausäure dann zu harmlosem CO2 ,Wasser und Stickstoff)

Übrigens das einzige Szenario meiner Feuerwehr-Laufbahn, wo die Feuerwehr -statt zu löschen- als Brandstifter agieren muss!

Einmal pro Jahr musste jeder meiner Feuerwehrmänner im Blausäure-Betrieb an einer (verdünnten) Blausäure-Lösung schnuppern. Damit er nicht im Ernstfall vergeblich auf den angeblichen Bittermandel-Geruch wartet.

 

 

 

Tatsache ist: Blausäure ist fast geruchlos. Sie riecht schwach stechend; ein bisschen wie SO2 und erzeugt (meist) ein leicht kratzendes, pelziges Gefühl im Rachen. Also nichts mit „Bittermandel“!

 

 

 

Wie kommt es zu dieser falschen Behauptung?

 

 

 

Blausäure kommt im Pflanzenreich als „Glykosid“ mit dem Namen Amygdalin vor. (Glykoside sind Verbindungen von Alkoholen mit Traubenzucker.) Chemisch gesehen ist Amygdalin ein Glykosid des Mandelsäure-Nitrils, welches wiederum in Blausäure plus Benzaldehyd zerfällt.

 

 

 

 

 

 

 

Amygdalin zerfällt in 2 Glukose plus Mandelsäure-Nitril (das Cyanhydrin des Benzaldehyds):

 

plus

Mandelsäure-Nitril zerfällt in Benzaldehyd plus Blausäure

plus  HCN (Blausäure)

 

 

Hier noch einmal der gesamte Zerfall
(aus https://www.verwaltung.steiermark.at/cms/dokumente/11712303_75777092/530d90ed/2010-03.pdf):

 

 

 

 

Selbst der von mir hochgeschätzte Professor Blume (http://www.chemieunterricht.de/dc2/tip/04_06.htm) versucht zu erklären, warum Blausäure wie Benzaldehyd (bittermandelartig) riecht. Er hat offensichtlich noch nie mit Blausäure gearbeitet.

 

 

Wie kommt es zu der Fehleinschätzung, die sich seit 150 Jahren durch alle Lehrbücher schleppt?

 

Meiner Meinung nach durch die ehemalige Darstellung der Blausäure aus Bittermandeln.

 

Wahrscheinlich war es wie bei den "Mars-Kanälen", die der Italienische Astronom Schapparelli 1870 im Teleskop sah. Und alle folgenden Astronomen beobachteten die sich ständig verändernden Kanäle (es wurde sogar von den grünen Marsmännchen als Erbauer spekuliert).
Bis dann die US-Mars-Sonden "Mariner" 1965 und 1969 feststellten: Keine Spur von Kanälen. Alles war nur eine optische Täuschung!

 

Wahrscheinlich hat kein Chemiker es gewagt, mal richtig an der Blausäue zu schnuppern (oder viele gehörten zu den 40 % der Menschen, die keinen Geruchs-Sinn für Blausäure haben?). Auf jeden Fall hält sich das Märchen vom Bittermandel-Geruch bis heute.

 

 

 

Bei der Fermentierung der Mandelkerne entsteht Traubenzucker, Blausäure und Benzaldehyd. Durch Erhitzen verflüchtigt sich die Blausäure, die wie gesagt bei 26 Grad siedet. Also noch leichter als Ether! Der Rest wurde als „Bittermandel-Öl“ gehandelt und zum Aromatisieren benutzt.

 

 

Amygdalin ===> 2 Traubenzucker + HCN + Benzaldehyd

 

 

 

Reiner Benzaldehyd riecht intensiv nach Bittermandel. Man kann ihn unter dem Namen „Künstliches Bittermandel-Öl“ bei Ebay kaufen und zum Aromatisieren und Parfümieren verwenden. Da haben wir den Übeltäter.

 

Weil vor 150 Jahren die Blausäure (neben der Zersetzung von Berliner Blau; daher der Name!) als Nebenprodukt aus dem Mandelöl gewonnen wurde, war sie immer mit Benzaldehyd verunreinigt. Und deshalb roch Blausäure nach Bittermandel.

 

Heute wird Blausäure und ihre Salze, die Zyanide, technisch (u.a. wie oben beschrieben) hergestellt.

Ohne Bittermandel-Geruch!

 

 

 

 

 

 

 

 

Kennen Sie vielleicht diesen Choral?

"Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache - auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazu gehört."

 

Hans Joachim Friedrichs

You don’t know what you got,
until it’s gone.

Cinderella

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Das gelungene, vollendete, erfüllte Leben ist eines, in dem wir in Einklang mit unsrer Natur das Beste aus unseren Möglichkeiten gemacht haben – selbstverständlich ohne den Mitmenschen zu schaden, ohne andere unglücklich zu machen.

 

Der Philosoph Bernulf Kanitscheider, Spektrum der Wissenschaft, Juli 2008

 

Des Menschen Tage sind wie Gras,
er blüht wie die Blume des Feldes.

Fährt der Wind darüber, ist sie dahin;
der Ort, wo sie stand, weiß von ihr nichts mehr.

 

Psalm 103

Es wäre doch möglich, dass einmal unsere Chemiker auf ein Mittel gerieten, unsere Luft plötzlich zu zersetzen, durch eine Art Ferment. So könnte die Welt untergehen.


Georg Christoph Lichtenberg

Letzte Worte des Indianerhäuptlings Crowfoot

Nur noch eine kurze Weile, dann bin ich von euch gegangen. Wohin, das kann ich euch nicht sagen. Wir kommen aus dem Nirgendwo, und wir gehen ins Nirgendwo. Was ist das Leben? Es ist der Lichtblitz eines Leuchtkäfers in der Nacht. Es ist der Atem eines Büffels im Winter. Es ist der kleine Schatten, der über das Gras huscht und sich im Sonnenuntergang verliert.

 

Crowfoot (um 1830 – 1890) Häuptling der Blackfoot-Indianer, 25. April 1890

 

Gespräch von Anno 33:

A: Wissen Sie schon das Neueste?

B: Nein, was ist passiert?

A: Die Welt ist erlöst!

B. Was Sie sagen!

A: Ja, der liebe Gott hat Menschengestalt angenommen und sich in Jerusalem hinrichten lassen: dadurch ist nun die Welt erlöst und der Teufel geprellt.

B: Ei, das ist ja ganz scharmant.

 

Arthur Schopenhauer

 

 

Damit wir beginnen können, dem Tod seinen größten Vorteil uns gegenüber zu entreißen, sollten wir eine vollkommen andere Einstellung einnehmen als die übliche; lasst uns den Tod seiner Fremdheit berauben; lasst uns Umgang mit ihm pflegen, damit wir uns an ihn gewöhnen, lasst uns ständig an ihn denken.

 

Michel de Montaigne

 

Wärst net aufigstiegn

Wärst net obi gfalln.

Hättst mei Schwester kriegt.

Wärst mei Schwager worn

Hättst a Häusla ghabt

und a Kuh dazu

und a Millisuppn auf die Fruh.

 

Kärntener Volkslied

Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers.

 

Jean Jaurès

„Calumniare audacter, semper aliquid haeret“ – (Verleumde nur dreist, irgendetwas bleibt immer hängen!)

 

Plutarch